was ab 2026 gilt (Vorbereitung ab 2025)
Stell dir vor, du kaufst in den nächsten Jahren im Supermarkt ein – und Verpackungen sind häufiger so gestaltet, dass sie besser sortier- und recycelbar sind und klarere Entsorgungshinweise tragen. Genau das ist das Ziel der neuen EU-Regeln für Verpackungen. Verpackungen gehören zu den großen Abfalltreibern in Europa: 186,5 kg Verpackungsabfall pro Person fielen 2022 in der EU an¹. Die neuen EU-Vorgaben sollen Recycling vereinfachen, Ressourcen schonen und die Kreislaufwirtschaft stärken.
Wichtig zur Einordnung: Die zentrale Reform ist keine „Richtlinie“, sondern eine EU-Verordnung (PPWR). Sie ist bereits in Kraft, wird aber größtenteils erst ab 12. August 2026 verbindlich anwendbar (nach Übergangsfrist).²

🔹 Was genau ändert sich – und ab wann?
Kernstück ist die Verordnung (EU) 2025/40 über Verpackungen und Verpackungsabfälle (Packaging and Packaging Waste Regulation, PPWR).² ³
- Inkrafttreten: 11. Februar 2025²
- Allgemeine Anwendung (für die meisten Pflichten): 12. August 2026²
Zentrale Neuerungen (Auswahl):
- Recyclingfähigkeit: Ziel ist, dass Verpackungen bis 2030 recycelbar sein müssen (Design-for-Recycling-Vorgaben).⁴
- Abfallvermeidung / Reduktion: Reduktionsziele für Verpackungsabfall –5 % bis 2030, –10 % bis 2035, –15 % bis 2040 (bezogen auf eine festgelegte Basis).⁵
- Rezyklatquoten: Mindestanteile an recyceltem Kunststoff in bestimmten Kunststoffverpackungen (gestaffelt nach Anwendung/Verpackungsart).⁴
- Harmonisierte Verbraucherinfos: Vorgaben für harmonisierte Kennzeichnung und EU-weite Sortierhinweise sollen die Mülltrennung erleichtern.⁴ ⁶
Für Verbraucher:innen heißt das nicht „alles ändert sich schlagartig 2025“, sondern: 2025–2026 ist Umstellungsphase, ab 2026 werden die Regeln schrittweise im Markt sichtbar (Design, Labels, Mehrweg-/Vermeidungsanforderungen).²
🔹 Warum war die Reform nötig?
Trotz getrennter Sammelsysteme wird in der EU nur ein Teil der Kunststoffverpackungen recycelt: 2022 wurden EU-weit 41 % der Kunststoffverpackungsabfälle recycelt.⁷ Der Rest wird u. a. verbrannt oder anderweitig behandelt.
Kunststoffe belasten zudem das Klima über den Lebenszyklus: Für 2019 werden 1,8 Mrd. t Treibhausgasemissionenaus Kunststoffen berichtet, etwa 3,4 % der globalen Emissionen.⁸ Und ohne Gegenmaßnahmen erwartet die OECD, dass Kunststoffnutzung (und auch Kunststoffabfall) bis 2060 nahezu verdreifachen könnte.⁹
🔹 Was bedeutet das konkret im Alltag?
Du wirst (schrittweise) v. a. drei Dinge bemerken:
- Weniger unnötige Verpackungen
Die PPWR setzt stark auf Vermeidung und auf Anforderungen, „überflüssige“ Verpackung zu reduzieren (z. B. minimiertes Volumen/Gewicht, Begrenzung von Leerraum in bestimmten Fällen).⁵ - Klarere Recycling- und Sortierhinweise
Harmonisierte Material-/Sortierkennzeichnungen und Hinweise sollen Fehlwürfe verringern und die Trennung vereinfachen.⁴ ⁶ - Mehr Mehrweg & Wiederverwendung dort, wo es Sinn ergibt
Die PPWR enthält Wiederverwendungs-/Mehrwegvorgaben für bestimmte Verpackungssegmente.⁴ Ob Mehrweg ökologisch besser ist, hängt stark von System (Umläufe, Logistik, Spülen, Material) ab – Reviews von Ökobilanzen zeigen aber häufig Vorteile von Wiederverwendung unter geeigneten Bedingungen.¹⁰
🔹 Auswirkungen auf Preise und Konsum
Kurzfristig können Umstellungen (Design, Materialwahl, Rezyklateinsatz, Logistik) Kosten verschieben – je nach Produkt. Belastbar ist vor allem: Die EU will mit der PPWR Regeln harmonisieren und so Fragmentierung reduzieren.⁴
Langfristig betont die OECD für Städte/Regionen in der EU, dass Kreislaufwirtschaft Rohstoffabhängigkeiten reduzieren und Abfall-/Entsorgungskosten senken kann.¹¹
Für Konsument:innen wird außerdem transparenter:
- Verpackungen werden stärker standardisiert (Sortierhinweise)⁶
- Umweltkommunikation soll durch klare Anforderungen weniger missverständlich sein (weil Anforderungen an Verpackungsdesign, Rezyklateinsatz, Kennzeichnung strenger werden).⁴
🔹 Städte als Treiber der Kreislaufwirtschaft
Städte sind zentrale Orte für Sammel- und Mehrwegsysteme (Rückgabe, Logistik, digitale Pfand-/Rücknahmelösungen). Die OECD hebt für EU-Städte und Regionen hervor, dass zirkuläre Ansätze wirtschaftliche und soziale Vorteile bringen können – inklusive Jobpotenzial in Recycling, Reparatur und Wiederverwendung.¹¹
🔹 Positiver Blick nach vorn 🌱
Die PPWR ist weniger „Verzichtsprogramm“ als ein Design- und System-Update: weniger Abfall, bessere Recyclingfähigkeit und mehr Wiederverwendung – plus klarere Informationen für Verbraucher:innen.⁴
Auch der Arbeitsmarkt kann profitieren: In der EU waren über 4 Mio. Menschen (2021) in Bereichen der Kreislaufwirtschaft beschäftigt.¹²
Fazit
Die EU-Reform ist keine neue Richtlinie ab 2025, sondern eine Verordnung (PPWR), die seit Februar 2025 in Kraftist und überwiegend ab August 2026 gilt.² Ab dann werden Verpackungen schrittweise recyclinggerechter, besser gekennzeichnet und in Teilen stärker auf Mehrweg/Wiederverwendung ausgerichtet. Für Verbraucher:innen wird nachhaltiger Konsum damit tendenziell einfacher: richtig trennen, Mehrweg nutzen, bewusst einkaufen.
Literatur
European Commission. Packaging waste – 186.5 kg of waste generated in the EU per person in 2022 [Internet]. o. J. [zitiert 12.12.2025].
European Commission. Packaging waste – PPWR entered into force on 11 February 2025; general date of application 18 months after [Internet]. o. J. [zitiert 12.12.2025].
Regulation (EU) 2025/40 of the European Parliament and of the Council of 19 December 2024 on packaging and packaging waste [Internet]. Official Journal of the European Union. 2025 [zitiert 12.12.2025].
European Commission. Packaging and Packaging Waste Regulation – overview (recyclability by 2030, labelling, recycled content, reuse) [Internet]. o. J. [zitiert 12.12.2025]. .
European Parliament. New EU rules to reduce, reuse and recycle packaging (reduction targets 5%/10%/15%) [Internet]. 2024 [zitiert 12.12.2025].
EuroCommerce. Joint industry statement – harmonised waste sorting instructions under PPWR Article 12 [Internet]. 2025
Eurostat. 41% of plastic packaging waste recycled in 2022 [Internet]. 2024 [zitiert 12.12.2025].
United Nations Environment Programme (UNEP). Everything you need to know about plastic pollution (plastics 3.4% of global GHG emissions in 2019) [Internet]. 2023 [zitiert 12.12.2025].
Organisation for Economic Co-operation and Development (OECD). Global Plastics Outlook: Policy Scenarios to 2060 (plastics use and waste projected to almost triple by 2060) [Internet]. 2022 [zitiert 12.12.2025].
Zero Waste Europe; Reloop. Reusable vs single-use packaging: a review of environmental impact (review of 32 LCAs) [Internet]. 2020 [zitiert 12.12.2025].
Organisation for Economic Co-operation and Development (OECD). The Circular Economy in Cities and Regions of the European Union (resource dependence, disposal cost reductions, job potential) [Internet]. 2025 [zitiert 12.12.2025].
European Environment Agency. Employment in the circular economy (EU; >4 million employed in 2021) [Internet]. 2024 (mod. 2025) [zitiert 12.12.2025].
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