Stellen Sie sich vor: In einer Schublade liegt Ihr altes Smartphone – es war jahrelang treuer Begleiter, vielleicht mit Kratzern, aber funktionstüchtig. Doch wissen Sie, wie viel „Schatz“ darin steckt? Schätzungen zufolge enthält eine Tonne ausgedienter Mobiltelefone im Schnitt rund 100-mal mehr Gold als eine Tonne typisches Gold-Erz.[1] Dieses überraschende Faktum macht deutlich, dass das Ausmustern und Vergessen alter Geräte nicht nur ein kleines Technikproblem ist – sondern eine große Chance für eine nachhaltigere Ressourcennutzung. In einer digital-urbanen Welt, in der wir ständig neue Geräte nutzen, ist das Recycling älterer Modelle deshalb nicht nur eine gute Idee, sondern eine kluge Handlung. Dieser Artikel zeigt, wie das funktioniert, welche Zahlen dahinterstehen und wie Sie selbst Teil der Lösung werden können.

KĂĽnstlich erzeugtes Bild mit Gemini

Warum lohnt es sich, alte Handys zu sammeln?

Metallressourcen im Gerät

Technische Geräte wie Smartphones enthalten eine erstaunliche Vielfalt an Metallen – darunter nicht nur gängige wie Kupfer, Aluminium oder Zinn, sondern auch wertvolles Gold, Silber, Palladium und einzelne Seltene Erden. Eine aktuelle Studie zu End-of-Life-Mobiltelefonen (EoL-MPs) zeigt: In einer Tonne solcher Geräte können sich bis zu rund 53 kg Kupfer, 141 g Gold, 270 g Silber, 10 g Platin, 18 g Palladium und etwa 3,3 kg Seltenerdmetalle befinden.[2] Diese Zahlen machen klar: Elektronikschrott ist eine wertvolle Rohstoffquelle – eine sogenannte „urbane Mine“.

Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) schätzt, dass weltweit bis zu 7 % des globalen Goldbestands in Elektroschrott stecken und dass in einer Tonne Elektronikabfall im Mittel etwa 100-mal mehr Gold enthalten ist als in einer entsprechenden Tonne Gold-Erz.[3] Damit wird Recycling nicht nur zu einer Frage des Umweltschutzes, sondern auch zu einem relevanten Baustein der Wertschöpfung und Ressourcensicherheit.

Umwelt- und Klimavorteile

Wenn wir alte Smartphones recyceln, erreichen wir mehrere positive Effekte:

  • Weniger Bergbau: Der Abbau von Gold-Erz ist ressourcen- und energieintensiv, geht oft mit Landnutzungsänderungen, hohem Chemikalieneinsatz und erheblichen Umweltrisiken einher. Durch die Nutzung von Sekundärrohstoffen aus E-Waste lässt sich der Bedarf an Primärrohstoffen senken und Treibhausgasemissionen im Vergleich zur Förderung aus Erzen reduzieren.[1,3]
  • Weniger Abfall & Schadstoffe: Elektroaltgeräte enthalten wertvolle Metalle, aber auch problematische Stoffe. Werden sie unsachgemäß entsorgt, können diese Gesundheit und Umwelt schädigen. Das Umweltbundesamt (UBA) betont, dass Elektroaltgeräte deshalb getrennt gesammelt werden, um wertvolle Rohstoffe zurĂĽckzugewinnen und Schadstoffe sicher zu behandeln.[4]
  • Kreislaufwirtschaft stärken: Jedes Gerät, das wiederverwendet oder fachgerecht recycelt wird, bleibt länger im Wirtschaftssystem – entweder als funktionsfähiges Produkt oder als Sekundärrohstoff. Das reduziert Abfallmengen und unterstĂĽtzt eine ressourceneffiziente Kreislaufwirtschaft.[3,4]

Stadtbewusste Nutzung – für Menschen wie Sie

Wer in der Stadt lebt, ist von Geräten, Netzen und Technik-Trends umgeben. Die intensive Nutzung von Smartphones, Tablets und Co. macht urbane Konsument:innen zu einer Schlüsselgruppe für Ressourcenschutz. Wenn Sie Ihr altes Gerät nicht einfach in der Schublade liegen lassen oder im Restmüll entsorgen, sondern gezielt in Sammel- und Recyclingsysteme geben, handeln Sie konkret. Und wenn Sie das Thema zusätzlich im Freundeskreis oder in sozialen Medien teilen, vergrößert das die Wirkung.


KĂĽnstlich erstellt mit Gemini

Wie funktioniert Recycling von alten Handys genau?

Sammeln & RĂĽckgabe

Der erste Schritt ist simpel: Geräte nicht ewig im Schrank liegen lassen. In Deutschland ist die RĂĽckgabe von Elektro- und Elektronikaltgeräten gesetzlich geregelt (ElektroG). Kommunale Sammelstellen und Wertstoffhöfe, groĂźe Elektronikmärkte sowie – unter bestimmten Voraussetzungen – auch Lebensmitteleinzelhändler und Onlinehändler nehmen Altgeräte unentgeltlich zurĂĽck.[4,5] Wichtig ist: Alte Smartphones gehören nicht in den HausmĂĽll – nur bei getrennter Sammlung können die enthaltenen Rohstoffe recycelt werden und Schadstoffe sachgerecht behandelt werden.[4,5]

Trotz dieses Systems wird die EU-Mindest­sam­mel­quote für Elektroaltgeräte von 65 % in Deutschland deutlich verfehlt; aktuell liegt sie bei knapp 30 %. Ein wesentlicher Grund: Viele Geräte bleiben ungenutzt in Haushalten liegen.[5] Konsument:innen spielen damit eine zentrale Rolle, ob die vorhandene Recyclinginfrastruktur tatsächlich ausgelastet wird.

Aufbereitung und Rohstoff­gewinnung

Nach der Sammlung folgt die Aufbereitung. Im Fokus stehen dabei vor allem Leiterplatten (PCBs), Steckverbinder, Kontakte und andere Bauteile, in denen Edel- und Sondermetalle konzentriert sind. Typischerweise kommen:

  • mechanische Verfahren (Zerkleinern, Sieben, Dichten- und Magnetscheidung) und
  • thermische und chemische Verfahren (z. B. Pyrolyse, Hydrometallurgie)

zum Einsatz, um Metallfraktionen von Kunststoffen und Glas zu trennen.[7]

In einer aktuellen hydrometallurgischen Studie zu End-of-Life-Mobiltelefonen konnten Gold, Silber und Kupfer nach geeigneter Vorbehandlung mit Ausbeuten und Reinheiten von jeweils ≥ 98 % zurückgewonnen werden.[5] Dabei werden Edelmetalle zunächst in Lösung überführt und anschließend z. B. durch Fällung, Reduktion oder Adsorption wieder als Metall gewonnen. Die Arbeit zeigt außerdem, dass sich bei Behandlung von einer Tonne Mobiltelefone sekundäre Rohstoffe in der Größenordnung von etwa 70 kg Kupfer, 600 g Silber und 140 g Gold in metallischer Form zurückgewinnen lassen – bei gleichzeitigem Abtrennen weiterer verwertbarer Materialströme wie Batterien, Displays und Kunststofffraktionen.[5]

Vergleich: Gold-Erz versus Elektronik-Abfall

Zur Einordnung: Aus globalen Materialbilanzen und Industrieanalysen wird abgeleitet, dass ein typisches Smartphone im Mittel etwa 30–40 mg Gold enthält.[6] Hochskaliert auf eine Tonne alter Geräte ergibt das – je nach Gerätegewicht und Modellmix – bereits mehrere hundert Gramm Gold. Studien zu End-of-Life-Mobiltelefonen bestätigen, dass in einer Tonne solcher Geräte typischerweise weit über 100 g Gold und ein Vielfaches an Kupfer und anderen Metallen vorhanden sein können.[2,5]

UN- und Branchenberichte unterstreichen, dass in einer Tonne elektronischer Abfälle etwa 100-mal mehr Gold enthalten sein kann als in einer Tonne konventionellen Gold-Erzes.[1,3] Für zukunftsorientierte Kreislaufwirtschafts- und Urban-Mining-Konzepte ist das ein erheblicher Hebel.

Positive Zukunftsaussichten

  • Technologische Innovationen:Recyclinganlagen setzen zunehmend auf automatisierte Sortierung, sensorbasierte Systeme (z. B. Laserinduzierte Breakdown-Spektroskopie, Kamerasysteme) und Robotik, um E-Waste effizienter zu zerlegen und wertstoffreiche Komponenten gezielt zu separieren.[8,9] Parallel dazu entwickeln Forschung und Industrie hydrometallurgische und biohydrometallurgische Verfahren weiter – etwa bakterielle oder pilzbasierte Bioleaching-Prozesse, mit denen Metalle aus Leiterplatten mit geringeren Umweltbelastungen herausgelöst werden können.[7,8]
  • Wirtschaftliche Chancen:Der Markt fĂĽr E-Waste-Recycling wächst, da Edel- und Technologiemetalle wirtschaftlich interessant sind und Strategien zur Versorgungssicherheit zunehmend auf Sekundärrohstoffe setzen.[2,3,7] Hohe Metallgehalte in Elektronikschrott und steigende Rohstoffpreise machen aufbereitete Altgeräte zu einem relevanten Faktor fĂĽr Rohstoffpolitik und Recyclingwirtschaft.
  • BĂĽrgerbeteiligung:Ohne RĂĽckgabe keine Rohstoffe: Ob gesetzlich geregelte Sammelstellen tatsächlich ausgelastet sind, hängt stark vom Verhalten der Nutzer:innen ab. Wenn jede Person ihr Altgerät abgibt, statt es zu horten oder falsch zu entsorgen, verbessert sich nicht nur die Recyclingquote – es entsteht auch eine Kultur bewussten Konsums und der Verantwortung fĂĽr Rohstoffe.[4,5]

Konkrete Tipps – Was Sie tun können

Informieren & weitertragen:Sprechen Sie im Freundes- oder Bekanntenkreis über richtige Entsorgung und Recyclingmöglichkeiten. Je mehr Menschen wissen, dass Elektroaltgeräte wertvolle Metalle und gleichzeitig Schadstoffe enthalten, desto eher werden Rückgabemöglichkeiten tatsächlich genutzt.[4,10,11]

Schubladen-Check:Durchstöbern Sie Ihre Schubladen: Finden sich alte Smartphones, Tablets oder andere Kleingeräte, die nicht mehr genutzt werden? Dann geben Sie diese gezielt in Rücknahmesysteme – etwa an kommunale Sammelstellen, Rücknahmestellen im Handel oder spezielle Handy-Sammelaktionen.[4,5]

Daten sichern & Gerät zurücksetzen:Sichern Sie Ihre wichtigen Daten, entfernen Sie nach Möglichkeit Speicherkarten und setzen Sie das Gerät auf Werkseinstellungen zurück, bevor Sie es abgeben. Behörden und Rücknahmestellen weisen explizit darauf hin, dass Nutzer:innen selbst für das Löschen personenbezogener Daten verantwortlich sind.[5]

Rücknahme beim Neukauf mitdenken:Beim Kauf eines neuen Geräts bieten viele Händler und Hersteller Rücknahme- oder Tauschprogramme für Altgeräte an, teils mit Bonus- oder Rabattmodellen. Nutzen Sie diese Angebote, statt das Altgerät zu behalten.

Bewusster Konsum:Überlegen Sie vor einer Neuanschaffung: Muss es wirklich sofort ein neues Gerät sein? Empfehlungen von Umweltbehörden lauten, Smartphones möglichst lange zu nutzen, reparieren zu lassen und – wenn nötig – auf langlebige, reparaturfreundliche Modelle zu setzen.[10] Auch der Kauf gebrauchter oder generalüberholter Geräte kann Ressourcen schonen.

Fazit

Alte Smartphones sind weit mehr als veraltete Technik – sie enthalten wertvolle Rohstoffe wie Gold, Kupfer, Silber und einzelne Seltene Erden. Ihr Recycling bietet eine echte Chance für Umwelt, Klimaschutz, Kreislaufwirtschaft und eine zukunftsfähige Rohstoffversorgung. In Deutschland stehen die rechtlichen Rahmenbedingungen und Sammelstrukturen, doch ein großer Teil des Potenzials bleibt ungenutzt, weil Geräte in Schubladen liegen oder falsch entsorgt werden.[4,5]

Wenn Stadtbewohner:innen – und natürlich auch Menschen auf dem Land – ihre Altgeräte gezielt zurückgeben, hat das messbare Effekte: weniger Bergbau, weniger Abfall, geringere Schadstoffbelastung und eine bessere Nutzung der „urbanen Minen“ in unserem Elektronikschrott.[1–5,7] Packen wir’s gemeinsam an: Ihr altes Handy könnte Teil genau des Rohstoffschatzes sein, den wir für eine nachhaltigere Zukunft brauchen. ♻️

Literatur

  1. World Economic Forum. How a circular approach can turn e-waste into a golden opportunity [Internet]. 2019 Jan 24 [zitiert 2025 Nov 20].
  2. GĂłmez M, Grimes S, Qian Y, Feng Y, Fowler G. Critical and strategic metals in mobile phones: A detailed characterisation of multigenerational waste mobile phones and the economic drivers for recovery of metal value. J Clean Prod. 2023;420:138099. doi:10.1016/j.jclepro.2023.138099.
  3. United Nations Environment Programme. UN report: Time to seize opportunity, tackle challenge of e-waste [Internet]. 2019 Jan 24 [zitiert 2025 Nov 20].
  4. Umweltbundesamt. Elektroaltgeräte [Internet]. 1. Jan 2022 [zitiert 2025 Nov 20].
  5. Pietrantonio M, Pucciarmati S, Forte F, De Angelis D, Fontana D. Recovery of metallic gold, silver and copper from end-of-life mobile phones by hydrometallurgy. J Mater Cycles Waste Manag. 2025;27(4):2395–2403. doi:10.1007/s10163-025-02240-5.
  6. U.S. Geological Survey. Recycled cell phones—A treasure trove of valuable metals. USGS Fact Sheet 2006–3097 [Internet]. 2006 [zitiert 2025 Nov 20].
  7. Sethurajan M, van Hullebusch ED, Fontana D, Akcil A, Deveci H, Batinic B, et al. Recent advances on hydrometallurgical recovery of critical and precious elements from end-of-life electronic wastes—a review. Crit Rev Environ Sci Technol. 2019;49(3):212–275. doi:10.1080/10643389.2018.1540760.
  8. Hu S, Wang H, Zhang W, et al. Recent advances in bioleaching and biosorption of metals from waste printed circuit boards: A review. J Environ Manag. 2024;371:123008. doi:10.1016/j.jenvman.2024.123008.
  9. Fraunhofer ILT. Laser technology and AI boost the circular economy [Internet]. 2024 Mar 27 [zitiert 2025 Nov 20].
  10. Umweltbundesamt. Smartphones und Tablets – Von Kauf bis Entsorgung nachhaltig nutzen [Internet]. 24. Jul 2023 [zitiert 2025 Nov 20].
  11. Umweltbundesamt. Alte Elektrogeräte richtig entsorgen [Internet]. 13. Dez 2023 [zitiert 2025 Nov 20].

Neueste Blog-Beiträge

Entdecken Sie hier die aktuellsten und spannendsten Artikel aus unserem Blog. Tauchen Sie ein in die Welt der Kommunikation und lassen Sie sich von unseren Fachexperten inspirieren.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert