Silvester fĂŒhlt sich nach Freiheit an: Lichter am Himmel, Musik, Umarmungen um Mitternacht. Doch wĂ€hrend wir anstoßen, hinterlĂ€sst der Jahreswechsel auch messbare Spuren in der Umwelt. Besonders Feuerwerk steht in der Kritik – vor allem wegen FeinstaubLĂ€rmAbfall und (in kleinerem Umfang) Treibhausgasen.

Dieser Text ordnet belastbare Zahlen und Studien ein, korrigiert unklare/zu starke Aussagen und zeigt Alternativen – ohne Moralkeule, aber faktenbasiert. 🌍✹

Foto von Rakicevic Nenac

Feuerwerk: Kurz, intensiv – lokal deutlich spĂŒrbar

Feuerwerk ist klimatisch kein Haupttreiber (im Vergleich zu Verkehr, WĂ€rme oder Industrie), aber die Belastung ist extrem konzentriert: in wenigen Stunden und an vielen Orten gleichzeitig.

CO₂: kleiner als oft behauptet

FĂŒr Deutschland weist das Umweltbundesamt fĂŒr Silvesterfeuerwerk rund 1.150 Tonnen fossiles CO₂ aus (basierend auf Emissionsfaktoren und der Nettoexplosivmasse).ÂČ

âžĄïž Die frĂŒhere Angabe „2.000–2.500 t CO₂“ ist so nicht belastbar, wenn man sich streng am UBA orientiert – daher hier korrigiert auf die UBA-Zahl.ÂČ

Feinstaub (PM10/PM2,5): das zentrale Luftproblem

Deutlich relevanter fĂŒr StĂ€dte ist Feinstaub: In Deutschland werden durch das Abbrennen von Feuerwerkskörpern rund 2.050 Tonnen PM10 pro Jahr freigesetzt (davon ca. 1.700 Tonnen PM2,5); rund 75% dieser Feuerwerks-Feinstaubemissionen fallen in der Silvesternacht an.Âč,Âł

Das erklĂ€rt, warum Messstationen am 1. Januar oft Spitzen zeigen – abhĂ€ngig vom Wetter (Wind/Inversion).Âł

Gesundheit: gut belegt, auch fĂŒr kurze Peaks

Die WHO beschreibt Luftverschmutzung (u.a. Feinstaub) als relevanten Risikofaktor fĂŒr Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen (u.a. ischĂ€mische Herzerkrankung, Schlaganfall, COPD, Asthma).⁎

Wichtig: Ob ein einzelner Peak „deine Gesundheit messbar verschlechtert“, hĂ€ngt stark von Exposition und Vorerkrankungen ab – aber dass Feinstaub gesundheitlich schadet, ist wissenschaftlich sehr gut abgesichert.⁎

Kurz gesagt: CO₂ ist bei Feuerwerk eher klein – LuftqualitĂ€t, LĂ€rm und MĂŒll sind die großen Themen.Âč,Âł,⁎


Feiern, Reisen, Heizen: die oft grĂ¶ĂŸeren Hebel

Foto von cottonbro studio

🚗 MobilitĂ€t

Die Emissionen durch die Anreise können die „Silvester-Bilanz“ schnell dominieren. FĂŒr neue Pkw in der EU liegen die durchschnittlichen CO₂-Emissionen (Flottenmittel) in der GrĂ¶ĂŸenordnung von ~106 g CO₂/km (2023, neue Zulassungen); reale Emissionen im Bestand und je nach Fahrprofil können höher liegen.⁔

âžĄïž Die frĂŒhere pauschale OECD-Spanne „120–150 g/km“ ist als allgemeiner Europa-Durchschnitt so zu grob und nicht sauber belegt; deshalb hier auf eine konkrete, belastbare EU-KenngrĂ¶ĂŸe umgestellt.⁔

đŸ”„ Energie & WĂ€rme

Bei KĂ€lte steigen Heiz- und teils auch Stromlasten. Ob der Strommix „an Feiertagen“ automatisch emissionsintensiver wird, lĂ€sst sich nicht als allgemeine Regel festnageln; die IEA betont aber, dass Wetter- und Nachfragespitzen die Emissionen eines Systems kurzfristig beeinflussen können (weil dann hĂ€ufiger flexible Erzeugung/Importe gefragt sind).⁶

âžĄïž Die frĂŒhere Aussage „IEA schĂ€tzt, Feiertage machen den Strommix oft emissionsintensiver“ war zu stark formuliert; hier korrekt als kontextabhĂ€ngiger Effekt (v.a. Wetter/Lastspitzen) dargestellt.⁶

đŸŸ Konsum & Abfall

FĂŒr „+20% Abfall pro Kopf an Silvester“ gibt es keine robuste, allgemein gĂŒltige Destatis-Kennzahl. (Destatis liefert viel zu Jahreswechsel-Konsum, aber keine standardisierte Prozentzahl zum Silvester-Abfall.)⁷

Was belastbar ist: StĂ€dte berichten nach Neujahr regelmĂ€ĂŸig von großen zusĂ€tzlichen MĂŒllmengen (teils Dutzende Tonnen) und entsprechendem Reinigungsaufwand.⁞

âžĄïž Daher: Prozentzahl gestrichen, stattdessen konservativ mit kommunal berichteten GrĂ¶ĂŸenordnungen beschrieben.⁞


CO₂ ist nicht alles: weitere Umweltwirkungen

Neben Feinstaub sind auch Chemikalien und LĂ€rm relevant. Fachliteratur zeigt, dass Feuerwerk u.a. Metalle in die Umwelt eintrĂ€gt; z.B. wurden nach Neujahrsfeuerwerk stark erhöhte Barium-Gehalte in Schnee/Deposition gemessen.âč

Auch LĂ€rmexposition durch Feuerwerk ist wissenschaftlich als Umweltstress-Thema beschrieben.Âč⁰

  • LĂ€rm: Stress fĂŒr Haustiere, Wildtiere und Menschen (akut, lokal).Âč⁰
  • MĂŒll: sichtbare RĂŒckstĂ€nde und hoher Reinigungsaufwand (kommunal dokumentiert).⁞
  • Chemikalien/Metalle: EintrĂ€ge können lokal messbar sein (z.B. Barium).âč

Gute Nachrichten: Alternativen funktionieren – aber der CO₂-Vorteil hĂ€ngt am „Drumherum“ 🎇

✹ Öffentliche Licht-, Laser- & Drohnenshows

Hier musste ich die Aussage „bis zu 80% weniger CO₂“ korrigieren: Eine Analyse im Kontext von Event-Emissionen kommt zu dem Ergebnis, dass Lebenszyklus-Emissionen von Drohnenshows je nach Annahmen Ă€hnlich oder teils sogar höher als bei Feuerwerk liegen können – und dass bei Veranstaltungen hĂ€ufig Anreise/Logistik/Generatorenden grĂ¶ĂŸten Emissionsanteil ausmachen.ÂčÂč

Was aber klar ist: Drohnen/Laser vermeiden Feinstaub und reduzieren oft MĂŒll und Knall-LĂ€rm erheblich – das sind meist die unmittelbarsten lokalen Vorteile.Âč,ÂčÂč

đŸŒ± „Leiseres“ Feuerwerk & Verbotszonen

Feuerwerksfreie Zonen und EinschrĂ€nkungen senken lokale Belastungen (v.a. dort, wo viele Menschen auf engem Raum zĂŒnden). Das UBA empfiehlt grundsĂ€tzlich: Je weniger, desto besser â€“ wegen Feinstaub, LĂ€rm und MĂŒll.ÂčÂČ

🎉 Bewusster feiern

Statt „Bilanz halbieren“ (zu pauschal) besser belastbar:

  • Weniger Auto-Kilometer und mehr ÖPNV/zu Fuß senken Emissionen oft am stĂ€rksten.⁔
  • Mehr pflanzliche Optionen reduzieren im Schnitt den ernĂ€hrungsbezogenen Fußabdruck (Evidenz aus großen Lebenszyklus-DatensĂ€tzen).ÂčÂł
  • Mehrweg statt Einweg reduziert Abfall und vorgelagerte Herstellungs-Emissionen (allgemein gut belegt, auch wenn Silvester-spezifische Prozentwerte schwanken).⁞,ÂčÂł

Was du konkret tun kannst

♻ MĂŒll: Mehrweg/Pfand, weniger Verpackung, eigenes Glas/Becher.⁞

đŸšČ MobilitĂ€t: zu Fuß, per Rad oder ÖPNV (oder Fahrgemeinschaft statt Einzelfahrten).⁔

💡 Energie: unnötige Heizspitzen vermeiden; Beleuchtung effizient halten.⁶

🎆 Alternativen: öffentliche Shows (oder gemeinschaftliche, kleinere Lösungen statt vieler Einzelböller).Âč,ÂčÂČ

Fazit

Silvester ist kein „Klimakiller“ – aber auch kein ökologischer Freifahrtschein. Feuerwerk ist beim CO₂ eher klein (fĂŒr Deutschland UBA: ~1.150 t fossiles CO₂),ÂČ erzeugt aber sehr hohe, kurze Peaks bei Feinstaub (UBA: 2.050 t PM10/Jahr; großer Anteil in der Silvesternacht).Âč,Âł Die grĂ¶ĂŸeren, planbaren Hebel liegen oft bei Anreise, Energie und Konsum.⁔,⁶ Und: Alternativen wie Drohnen/Laser sind besonders stark bei LuftqualitĂ€t/MĂŒll/LĂ€rm – ein CO₂-Vorteil ist möglich, aber hĂ€ngt stark von Anreise & Eventlogistik ab.ÂčÂč

Literatur

  1. Umweltbundesamt. Feuerwerk und Umweltwirkungen [Internet]. Dessau-Roßlau: Umweltbundesamt; 2025 [zitiert 2026 Jan 9].
  2. Umweltbundesamt. Silvesterfeuerwerk: Einfluss auf Mensch und Umwelt (BroschĂŒre) [Internet]. Dessau-Roßlau: Umweltbundesamt; 2023 [zitiert 2026 Jan 9].
  3. Umweltbundesamt. Feinstaub durch Silvesterfeuerwerk [Internet]. Dessau-Roßlau: Umweltbundesamt; 2025 [zitiert 2026 Jan 9].
  4. World Health Organization. WHO global air quality guidelines: particulate matter (PM2.5 and PM10), ozone, nitrogen dioxide, sulfur dioxide and carbon monoxide [Internet]. Geneva: WHO; 2021 [zitiert 2026 Jan 9].
  5. European Environment Agency. CO2 performance of new passenger cars in Europe [Internet]. Copenhagen: EEA; 2024 [zitiert 2026 Jan 9].
  6. International Energy Agency. Electricity 2025: Emissions (Analysis) [Internet]. Paris: IEA; 2025 [zitiert 2026 Jan 9].
  7. Statistisches Bundesamt. Fakten zum Jahreswechsel [Internet]. Wiesbaden: Destatis; o.J. [zitiert 2026 Jan 9].
  8. EUWID Recycling und Entsorgung. Deutschland rĂ€umt auf: SilvestermĂŒll nimmt in vielen StĂ€dten zu [Internet]. Gernsbach: EUWID; 2025 [zitiert 2026 Jan 9].
  9. Steinhauser G, Klapötke TM. Heavy metals from pyrotechnics in New Year’s Eve snow. Atmos Environ. 2008;42(37):8616-22.
  10. Passos RS, Miranda AI, Martins V, et al. Environmental noise exposure assessment from fireworks at festivals: A case study. Appl Acoust. 2021;179:108067.
  11. British Fireworks Association. Exploring Environmental Impact of Fireworks and Drones (Briefing) [Internet]. 2024 [zitiert 2026 Jan 9].
  12. Umweltbundesamt. Feuerwerk: Umwelttipps fĂŒr den Alltag [Internet]. Dessau-Roßlau: Umweltbundesamt; 2025 [zitiert 2026 Jan 9].
  13. Poore J, Nemecek T. Reducing food’s environmental impacts through producers and consumers. Science. 2018;360(6392):987-92.

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